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Wargaming als Methode und eine psychologische Perspektive

Die Wargaming Initiative Conference (WIN24) der NATO sowie der Ausbildungskongress der Bundeswehr markieren eine zunehmende Bedeutung dieser Methode in Deutschland. Wargaming wird definiert als eine Simulation mit menschlichem Input, in der reale Szenarien durch festgelegte Regeln modelliert und durch Spieler beeinflusst werden können.

(vergl. Artikel von Klaus Beckmann „Wargaming als Methode für Analyse, Entscheidungsfindung und Forschung“ im Hardthöhen Kurier 1/25. Dort behandelt er die Rolle von Wargaming als Methode in der militärischen Ausbildung, der Entscheidungsfindung und der wissenschaftlichen Forschung) 

1. Wargaming in der Ausbildung:



Historisch begann die Nutzung von Wargames zur taktischen Schulung, insbesondere durch das Preußische Kriegsspiel. Heute wird es zunehmend für hybride Szenarien und zur realitätsnahen Simulation mittels Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) eingesetzt. Hierbei kommen auch kommerzielle Gaming-Technologien zum Einsatz, die das Training kostengünstiger und zugänglicher machen.

2. Wargaming zur Entscheidungsfindung:
Während Wargaming theoretisch in Entscheidungsprozessen von Nutzen wäre, zeigt sich eine geringe Nutzung auf taktischer Ebene aufgrund des hohen Zeitaufwands. Dennoch kann es helfen, Handlungsalternativen zu testen, Sensitivitätsanalysen durchzuführen und konzeptionelle Entwicklungen zu befördern.

3. Wargaming in der Forschung:
Wargaming wird kaum als Methode zur Analyse realer Entscheidungsprozesse eingesetzt. Beckmann plädiert dafür, Wargames als Laborumgebung zu nutzen, um Entscheidungsverhalten zu erforschen, historische Bedingungen von Entscheidungen nachzuvollziehen und kognitive Kriegsführung besser zu verstehen.

Die Zukunft sieht eine stärkere Verknüpfung von Forschung und Ausbildung an den Universitäten der Bundeswehr vor, um die Nutzung von Wargaming zu optimieren und neue Simulationsmethoden zu entwickeln. Dabei spielen KI-gestützte Systeme wie das dtec.bw-Projekt „GhostPlay“ eine zunehmend wichtige Rolle.

Psychologische Perspektive auf Wargaming

Aus psychologischer Sicht bietet Wargaming mehrere interessante Ansatzpunkte:

1. Entscheidungspsychologie und kognitive Verzerrungen:
Wargames sind eine wertvolle Methode, um Entscheidungsprozesse unter Unsicherheit zu simulieren. Dabei treten typische kognitive Verzerrungen auf, wie der confirmation bias (die Neigung, nur Informationen zu berücksichtigen, die bestehende Überzeugungen bestätigen) oder der status quo bias (die Tendenz, Veränderungen zu vermeiden). Durch wiederholtes Training können Teilnehmende lernen, solche Verzerrungen zu erkennen und ihre Entscheidungsfindung zu verbessern.

2. Stress und Resilienztraining:
In Wargames werden Spieler oft mit unerwarteten Situationen und hohem Zeitdruck konfrontiert. Dies entspricht realen militärischen oder sicherheitskritischen Szenarien, in denen schnelle Entscheidungen unter Stress getroffen werden müssen. Hier kann Wargaming als mentales Training für Resilienz und Adaptivität genutzt werden.

3. Teamdynamik und Führungsverhalten:
Ein weiterer psychologischer Aspekt ist die soziale Interaktion innerhalb eines Wargames. Führungskräfte können ihr Verhalten in simulierten Stresssituationen reflektieren und optimieren. Zudem lassen sich Gruppenprozesse und Kommunikationsmuster analysieren, um Dysfunktionen wie Gruppendenken oder ineffektive Entscheidungsstrukturen zu identifizieren.

4. Lernen durch Erfahrung und Perspektivenwechsel:
Der immersive Charakter von Wargames fördert experiential learning, indem Teilnehmende durch aktives Handeln lernen. Dies kann besonders nützlich sein, um Perspektivwechsel zu ermöglichen, beispielsweise durch das Übernehmen der Rolle einer gegnerischen Fraktion oder einer anderen Entscheidungsinstanz.

5. Kognitive Kriegsführung und psychologische Operationen:
In der modernen Kriegsführung spielen psychologische Taktiken eine zentrale Rolle. Wargaming kann helfen, Strategien zu testen, mit denen gegnerische Meinungen manipuliert oder Entscheidungsträger beeinflusst werden. Hierbei geht es nicht nur um physische, sondern auch um informationspsychologische Dimensionen der Konfliktführung.

Fazit:
Wargaming ist weit mehr als eine reine Trainingsmethode. Aus psychologischer Sicht bietet es ein Labor für die Erforschung von Entscheidungsprozessen, Stressresistenz, Teamdynamik und kognitiver Kriegsführung. Die Integration moderner Technologien und Künstlicher Intelligenz könnte Wargaming noch effektiver machen, insbesondere im Hinblick auf die Analyse von Denk- und Verhaltensmustern unter realistischen Bedingungen.

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