Wer lernt hier eigentlich? Der geschlossene KI-Kreislauf in der akademischen Lehre und die Frage nach der Funktion von Texten Die Debatte über KI-generierte Texte wird überwiegend als Detektions- und Kennzeichnungsproblem geführt: Wie erkennt man sie, wann müssen sie markiert werden? Dieser Beitrag argumentiert, dass diese Perspektive zu kurz greift. Entscheidend ist nicht die Herkunft eines Textes, sondern seine Funktion. Texte erfüllen zwei grundsätzlich verschiedene Zwecke: die Übertragung von Information (Produktfunktion) und die Erzeugung von Kompetenz beim Schreibenden (Prozessfunktion). Generative KI substituiert die Produktfunktion nahezu vollständig — und die Prozessfunktion überhaupt nicht. Aus dieser Asymmetrie folgt eine klare Trennlinie: In der technischen Dokumentation, im Pflichtenheft, in der Arbeitsprozessbeschreibung ist KI-Einsatz unter Verifikationsbedingungen nicht nur zulässig, sondern qualitätssteigernd. In der Lehre führt derselbe Einsatz zu einem g...
Zwanzig Apps in Eigenbau Über digitale Unabhängigkeit, Single-File-HTML und die Frage, was heute eigentlich noch schwer ist Der Ausgangspunkt Die Diskussion über digitale Souveränität wird meist auf der ganz großen Bühne geführt: Gaia-X, europäische Cloud-Infrastruktur, Cloud Act, Schrems II, Beschaffungsrichtlinien für Behörden. Das ist alles richtig und wichtig, hat aber einen unangenehmen Nebeneffekt — es erzeugt den Eindruck, digitale Unabhängigkeit sei eine Frage von Milliardenprogrammen und Konsortialverträgen. Etwas, das andere Leute regeln müssen. Für den einzelnen Nutzer, für einen Verein, für eine kleine Beratungsstelle oder ein Uni-Institut stellt sich die Frage viel konkreter: Meine Aufgaben liegen bei einem US-Anbieter. Mein Kalender liegt bei einem US-Anbieter. Meine Notizen, meine Kontakte, meine Präsentationen, meine Tabellen, meine Zwischenablage über Geräte hinweg — alles bei US-Anbietern, alles in proprietären Formaten, alles mit Abo, alles mit AG...