Die Digitalisierung hat Identität von einem primär sozial situierten, relational entwickelten Konstrukt in ein hybrides Gefüge aus Selbstbeschreibung, algorithmischer Zuschreibung und datenbasierter Repräsentation transformiert. Digitale Identitäten sind keine bloßen Abbilder des Selbst, sondern emergente Konstruktionen im Spannungsfeld zwischen individueller Selbstinszenierung, sozialer Resonanz und plattformökonomischer Logik. Aus sozialpsychologischer Perspektive ist Identität als dynamischer Prozess zu verstehen, der sich im sozialen Austausch formt. Bereits Goffman beschrieb Identität als „presentation of self“, also als performative Darstellung in sozialen Situationen. Digitale Plattformen radikalisieren diese Dynamik, indem sie Sichtbarkeit, Vergleichbarkeit und Feedback quantifizieren. Likes, Shares und Follower-Zahlen fungieren als soziale Verstärker, die Selbstkonzepte stabilisieren oder unterminieren. Empirische Befunde zeigen, dass soziale Rückmeldungen in sozialen Medien s...
Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz verschiebt sich der Engpass moderner Arbeits- und Entscheidungssysteme fundamental. Während in frühen Phasen der Digitalisierung vor allem technisches Spezialwissen zur Entwicklung und Implementierung von Software gefragt war, rückt heute zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie KI sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll in menschliche Arbeits- und Lebenswelten integriert werden kann. Diese Verschiebung ist weniger eine technologische als eine psychologische und organisationale Herausforderung. Aus Sicht der Arbeits- und Organisationspsychologie lässt sich KI als Bestandteil soziotechnischer Systeme verstehen, in denen Technik, Mensch und Organisation untrennbar miteinander verwoben sind. Die Leistungsfähigkeit solcher Systeme wird nicht allein durch die algorithmische Qualität bestimmt, sondern maßgeblich durch menschliche Wahrnehmung, Vertrauen, Kompetenzzuschreibung und Entscheidungsverhalten. Empirische Forschung ...