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VR / AR und Motion Sickness. Wie entsteht sie und was kann man dagegen tun?

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind beeindruckende Technologien, die ein immersives Erlebnis ermöglichen, indem sie den Benutzer in eine digitale oder mit digitalen Elementen angereicherte Umgebung versetzen. Ein häufiges Problem, das bei der Nutzung von VR- und AR-Systemen auftritt, ist die sogenannte Motion Sickness, auch bekannt als Bewegungskrankheit oder VR-Krankheit.


Ursachen der Motion Sickness in VR/AR

  1. Sensorische Diskrepanz: Ein Hauptgrund für Motion Sickness in VR und AR ist die Diskrepanz zwischen den visuellen Signalen, die das Gehirn empfängt, und den sensorischen Rückmeldungen des Körpers. Im realen Leben stimmen die visuellen, vestibulären (Gleichgewichtssinn im Innenohr) und propriozeptiven (Körperbewusstsein) Signale überein. In einer virtuellen Umgebung können diese Signale jedoch widersprüchlich sein. Zum Beispiel sieht man sich in einer VR-Umgebung bewegen, während der Körper tatsächlich stillsteht. Dieser Konflikt führt dazu, dass das Gehirn verwirrte oder widersprüchliche Informationen verarbeiten muss, was Unwohlsein und Übelkeit auslösen kann.
  2. Verzögerungen und Bildraten: Technische Aspekte wie Verzögerungen in der Bildwiedergabe (Latenz) und unzureichende Bildraten können ebenfalls zu Motion Sickness beitragen. Wenn die Bewegungen des Benutzers nicht nahtlos und in Echtzeit in der virtuellen Umgebung widergespiegelt werden, kann dies zu einem Gefühl der Desorientierung und Unwohlsein führen.
  3. Fokussierungs- und Tiefenwahrnehmungsprobleme: VR und AR verlangen oft, dass die Augen in einer Weise fokussieren und Tiefen wahrnehmen, die sich von der natürlichen Sehweise unterscheidet. Dies kann zu visueller Belastung und damit verbundenen Symptomen von Motion Sickness führen.
  4. Augenabstand: Abstand der Linsen der Brille passt nicht zum Augenabstand. Als Augenabstand (Interpupillardistanz (IPD), Pupillardistanz (PD), Pupillenabstand) wird der in Millimeter angegebenen Abstand beider Augenmitten zueinander bezeichnet. Er ist beim Anpassen einer VR-Brille zu berücksichtigen und dient der Ausrichtung der optischen Achsen der Linsen.

Maßnahmen gegen Motion Sickness

  1. Langsame Eingewöhnung: Es wird empfohlen, die Nutzungsdauer von VR/AR anfangs kurz zu halten und diese schrittweise zu steigern, um dem Gehirn und dem Körper Zeit zu geben, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.
  2. Verbesserung der Technik: Eine hohe Bildrate und geringe Latenzzeiten sind entscheidend. Fortschritte in der Hardware und Software von VR- und AR-Systemen zielen darauf ab, diese technischen Einschränkungen zu minimieren.
  3. Anpassung der Inhalte: Entwickler können Design-Entscheidungen treffen, die das Risiko von Motion Sickness reduzieren. Beispielsweise kann die Verwendung eines festen visuellen Bezugsrahmens in der virtuellen Umgebung helfen, das Gefühl der Stabilität zu verbessern.
  4. Verwendung von Anti-Motion-Sickness-Mitteln: In einigen Fällen können Medikamente, die üblicherweise gegen Reisekrankheit eingesetzt werden, helfen, die Symptome zu lindern. Diese sollten jedoch mit Vorsicht und nach ärztlicher Beratung verwendet werden.
  5. Regelmäßige Pausen und Blick in die Realität: Kurze Pausen während der Nutzung von VR/AR können helfen, das Gleichgewichtssystem zu "resetten" und eine Überlastung der Sinne zu vermeiden.

Abschließend ist es wichtig zu betonen, dass die Reaktion auf VR und AR individuell sehr unterschiedlich sein kann. Während manche Menschen kaum Anzeichen von Motion Sickness zeigen, können andere empfindlicher darauf reagieren. Durch die kontinuierliche Verbesserung der Technologie und ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen ist zu erwarten, dass die Herausforderungen im Zusammenhang mit VR/AR-induzierter Motion Sickness in Zukunft weiter minimiert werden können.

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