Direkt zum Hauptbereich

Voreingenommenheit von Algorithmen

Auszug aus https://www.silicon.de/41703666/datenethik-und-kuenstliche-intelligenz

„Was diese Vorurteile nach sich ziehen können, zeigt ein Fall beim Retail-Giganten Amazon. Das Unternehmen entwickelte einen Prototyp-Algorithmus unter Verwendung von Mitarbeiterdaten der letzten 10 Jahre, um eingehende Bewerbungen zu beurteilen und die besten Mitarbeiter:innen auf der Grundlage früherer Leistungsindikatoren einzustellen. KI ist eine Mustererkennungsmaschine, die auf Basis historischer Daten eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllt. Dabei ist zu beachten, dass heute in Deutschland nur 17 Prozent der Beschäftigten im Technologiebereich weiblich sind. Wenn man ein KI-Modell mit 1.000 Datenpunkten von erfolgreichen Mitarbeiter:innen füttert und 83 Prozent dieser erfolgreichen Mitarbeiter:innen ein ähnliches Merkmal aufweisen, stellt sich die Frage, was dann das offensichtlichste Muster ist?

In diesem Fall zeigte das statistische Muster, dass mehr Männer als Frauen in ihrer Rolle erfolgreich waren. Dies lag daran, dass mehr Männer als Frauen tatsächlich in diesen Rollen beschäftigt waren. Während wir als Menschen wissen, dass dies ein eindeutiges und negatives Vorurteil ist, hat das KI-Modell Muster in den Daten, mit denen es gefüttert wurde, hervorgehoben – und letztlich Bewerbungen mit dem Begriff „Frauen“ oder „Frauenschachclub“ abgewertet. Amazon beendete das Projekt.“

Beliebte Posts aus diesem Blog

Psychologie der Echsenmenschen Verschwörungstheorie

Der Begriff „Echsenmenschen“ oder „Reptiloide“ bezeichnet ein populäres Motiv aus Verschwörungstheorien , das keinerlei wissenschaftliche Grundlage hat. Es handelt sich dabei um angeblich humanoide Wesen mit reptilienartigen Merkmalen, die in manchen Erzählungen als außerirdischen Ursprungs oder als uralte, unterirdisch lebende Spezies dargestellt werden. Die Grundidee ist, dass diese Wesen angeblich seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden im Geheimen die Geschicke der Menschheit lenken – vor allem durch die Infiltration von Regierungen, Medien oder Großkonzernen. Ursprung der Vorstellung Die moderne Version dieser Verschwörungstheorie geht maßgeblich auf David Icke zurück, einen britischen Autor und ehemaligen Sportreporter, der seit den 1990er-Jahren behauptet, dass eine außerirdische Rasse von reptiloiden Wesen – die er als Teil einer „babylonischen Bruderschaft“ bezeichnet – die Welt kontrolliere. Laut Icke sollen viele prominente Persönlichkeiten, darunter Mitglieder von Königshä...

Echokammern, Filterblasen und Rabbit Holes: Psychologische Mechanismen, empirische Evidenz und gesellschaftliche Implikationen

Im öffentlichen Diskurs rund um digitale Medien sind Begriffe wie Echokammern, Filterblasen und Rabbit Holes allgegenwärtig geworden. Sie beschreiben unterschiedliche, teils überlappende Phänomene, die die Art und Weise beeinflussen, wie Menschen Informationen aufnehmen, interpretieren und weitergeben. Aus psychologischer Sicht verspricht ihre Untersuchung ein vertieftes Verständnis dafür, wie individuelle Kognitionen mit digitalen Algorithmen und sozialen Dynamiken interagieren. Doch so plausibel die Konzepte erscheinen mögen, so notwendig ist eine differenzierte Betrachtung ihrer wissenschaftlichen Fundierung. Echokammern verweisen auf kommunikative Räume, in denen homogene Meinungen dominieren und abweichende Perspektiven systematisch ausgeblendet werden. Aus sozialpsychologischer Sicht werden Echokammern durch Prozesse wie Gruppenkohäsion, soziale Identifikation und normative Konformität verstärkt (Tajfel & Turner, 1986; Postmes et al., 2005). Empirische Studien zeigen, dass in...

Der Barnum-Effekt – Psychologische Mechanismen selektiver Selbsttäuschung

Der Barnum-Effekt beschreibt die Tendenz von Menschen, unspezifische und allgemein gehaltene Aussagen über ihre Persönlichkeit als zutreffend zu akzeptieren. Dieser Effekt spielt eine zentrale Rolle in der Erklärung, warum Menschen an pseudowissenschaftliche Verfahren wie Horoskope, Graphologie oder bestimmte Persönlichkeitstests glauben. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die kognitiven, affektiven und sozialen Mechanismen hinter dem Effekt, diskutiert seine empirische Basis und zeigt Implikationen für Beratung, Diagnostik und KI-gestützte Systeme auf. 1. Einleitung „Sie sind eher introvertiert, schätzen jedoch gute Gespräche. Manchmal zweifeln Sie an sich, wirken nach außen aber sicher.“ – Aussagen wie diese erscheinen individuell, treffen jedoch statistisch auf fast jede Person zu. Der Barnum-Effekt – benannt nach dem amerikanischen Zirkusunternehmer P. T. Barnum, der angeblich „für jeden etwas“ im Programm hatte – beschreibt genau dieses psychologische Phänomen. Ursprünglich wur...