Digitale Identitäten zwischen Selbstinszenierung und Kontrollverlust. Psychologische Dynamiken virtueller Selbstdarstellung
Die Digitalisierung hat Identität von einem primär sozial situierten, relational entwickelten Konstrukt in ein hybrides Gefüge aus Selbstbeschreibung, algorithmischer Zuschreibung und datenbasierter Repräsentation transformiert. Digitale Identitäten sind keine bloßen Abbilder des Selbst, sondern emergente Konstruktionen im Spannungsfeld zwischen individueller Selbstinszenierung, sozialer Resonanz und plattformökonomischer Logik. Aus sozialpsychologischer Perspektive ist Identität als dynamischer Prozess zu verstehen, der sich im sozialen Austausch formt. Bereits Goffman beschrieb Identität als „presentation of self“, also als performative Darstellung in sozialen Situationen. Digitale Plattformen radikalisieren diese Dynamik, indem sie Sichtbarkeit, Vergleichbarkeit und Feedback quantifizieren. Likes, Shares und Follower-Zahlen fungieren als soziale Verstärker, die Selbstkonzepte stabilisieren oder unterminieren. Empirische Befunde zeigen, dass soziale Rückmeldungen in sozialen Medien s...