Direkt zum Hauptbereich

Overblocking

Der Begriff »Overblocking« beschreibt ein Phänomen, bei dem Content-Moderationstechniken dazu führen, dass legitime Inhalte fälschlicherweise blockiert oder gelöscht werden. Dies kann besonders im Kontext von automatisierten Filtersystemen auftreten, die entwickelt wurden, um schädliche oder illegale Inhalte wie Hassrede oder Desinformation zu entfernen. Die Gefahr hierbei besteht darin, dass diese Systeme nicht immer in der Lage sind, zwischen problematischen und legitimen Inhalten zu unterscheiden, was zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit führt (Kaye, 2019).


Wissenschaftliche Untersuchungen, wie beispielsweise die von Gorwa et al. (2020), zeigen, dass automatisierte Filtersysteme dazu neigen, zu viele Inhalte zu blockieren, um rechtlichen Vorgaben gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff »Overblocking« häufig verwendet, um zu verdeutlichen, dass auch harmlose oder wichtige politische und gesellschaftliche Diskussionen unterdrückt werden können. Solche Fälle gefährden den freien Diskurs, der eine Grundlage der Demokratie darstellt.


Ein anderer Aspekt, der durch Studien hervorgehoben wird, ist die Schwierigkeit, klare Grenzen für Content-Moderation zu setzen, ohne dabei die Meinungsfreiheit einzuschränken (Tandoc et al., 2018). Während Maßnahmen zum Schutz vor schädlichen Inhalten notwendig sind, können übermäßige Beschränkungen das Risiko bergen, dass auch legitime Inhalte zensiert werden. Dies kann besonders problematisch werden, wenn politische, kulturelle oder gesellschaftliche Themen betroffen sind, bei denen unterschiedliche Sichtweisen erforderlich sind.


Es lässt sich daher wissenschaftlich festhalten, dass der Schutz der Meinungsfreiheit und die Moderation von Inhalten ein Balanceakt ist. »Overblocking« kann negative Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt haben, und es bedarf sorgfältiger Regulierungen und technischer Verbesserungen, um diesen Effekt zu minimieren.


Quellen:


Kaye, D. (2019). Speech Police: The Global Struggle to Govern the Internet. Columbia Global Reports.


Gorwa, R., Binns, R., & Katzenbach, C. (2020). Algorithmic content moderation: Technical and political challenges in the automation of platform governance. Big Data & Society, 7(1).


Tandoc, E. C., Lim, Z. W., & Ling, R. (2018). Defining “Fake News”: A typology of scholarly definitions. Digital Journalism, 6(2), 137-153.


Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Psychologie und Soziologie des Wartens, der Pünktlichkeit und der Ungeduld

Warten, Pünktlichkeit und Ungeduld sind universelle menschliche Erfahrungen, die stark von kulturellen, sozialen und psychologischen Faktoren geprägt sind. In einer immer schnelllebigeren Welt wird das Warten oft als unangenehme Unterbrechung wahrgenommen, während Pünktlichkeit als Tugend gilt und Ungeduld zunehmend zum Ausdruck von Stress und Zeitdruck wird. Dieser Artikel untersucht die psychologischen und soziologischen Mechanismen, die diesen Phänomenen zugrunde liegen, und beleuchtet ihre kulturelle Dimension. Psychologie des Wartens Das Warten ist eine Erfahrung, die sowohl mit negativen Emotionen wie Frustration und Stress als auch mit positiven wie Vorfreude verbunden sein kann. Die Wahrnehmung von Wartezeiten wird durch Faktoren wie Unsicherheit, Kontrolle und die soziale Umgebung beeinflusst (Maister, 1985). Studien zeigen, dass Unsicherheit über die Dauer oder das Ergebnis eines Wartens die emotionale Belastung verstärkt (Larson, 1987). Die Psychologie des Wartens beto...

Psychologische Aspekte und der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf Open Innovation Einleitung

Der Begriff „Open Innovation“ beschreibt den Prozess, bei dem Unternehmen externe und interne Wissensquellen strategisch nutzen, um Innovationen zu fördern. Das Konzept, das auf Henry Chesbrough zurückgeht, erweitert das traditionelle Innovationsmanagement und integriert Wissen von Lieferanten, Partnern, Kunden und externen Quellen. Diese Offenheit erhöht das Innovationspotenzial, erfordert jedoch auch tiefgreifende Veränderungen in den Organisationsstrukturen und stellt das Unternehmen vor psychologische Herausforderungen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Open Innovation ermöglicht zudem neue Perspektiven und hebt den Innovationsprozess auf eine neue Ebene. Psychologische Aspekte von Open Innovation 1. Motivation und Widerstände Ein entscheidender psychologischer Faktor bei der Implementierung von Open Innovation ist die Motivation der Mitarbeitenden. Traditionell wurde Innovation als ein interner Prozess betrachtet, bei dem nur die klügsten Köpfe innerhalb des Unterneh...

Der Barnum-Effekt – Psychologische Mechanismen selektiver Selbsttäuschung

Der Barnum-Effekt beschreibt die Tendenz von Menschen, unspezifische und allgemein gehaltene Aussagen über ihre Persönlichkeit als zutreffend zu akzeptieren. Dieser Effekt spielt eine zentrale Rolle in der Erklärung, warum Menschen an pseudowissenschaftliche Verfahren wie Horoskope, Graphologie oder bestimmte Persönlichkeitstests glauben. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die kognitiven, affektiven und sozialen Mechanismen hinter dem Effekt, diskutiert seine empirische Basis und zeigt Implikationen für Beratung, Diagnostik und KI-gestützte Systeme auf. 1. Einleitung „Sie sind eher introvertiert, schätzen jedoch gute Gespräche. Manchmal zweifeln Sie an sich, wirken nach außen aber sicher.“ – Aussagen wie diese erscheinen individuell, treffen jedoch statistisch auf fast jede Person zu. Der Barnum-Effekt – benannt nach dem amerikanischen Zirkusunternehmer P. T. Barnum, der angeblich „für jeden etwas“ im Programm hatte – beschreibt genau dieses psychologische Phänomen. Ursprünglich wur...